Soll ich euch was verraten? Ich liebe mich. Ich liebe mich so wie ich bin und genau weil ich so bin, wie ich bin. Ich liebe meine Schusseligkeit, ich liebe meinen perfekten Unperfektionismus (doch, das macht Sinn). Ich liebe mein grosses Herz, meine Grosszügigkeit, meinen Gerechtigkeitssinn. Ich liebe meinen Körper, der mich gesund und stark durch das Leben trägt. Ich liebe meine Begeisterungsfähigkeit, meinen offenen Geist und mein Mitgefühl. Ja, ich liebe mich!

Und du, wann hast du die magischen drei Worte das letzte Mal zu dir gesprochen?
In den Spiegel zu strahlen und „ich liebe dich“ sagen, konnte ich bis vor kurzem nicht. Ehrlich gesagt, schaffe ich es auch heute nicht immer, die Worte mit vollster Überzeugung zu mir zu sprechen. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich hab mein Leben lang damit verbracht, mich mit andern Menschen zu vergleichen und mir vor Augen zu führen, was an mir alles schlechter, hässlicher, doofer, dicker ist, als bei anderen. Ich habe über zwanzig Jahre damit verbracht, Idealen nachzueifern, die im realen Leben gar nicht existieren. Ich war der Meinung, dass ich mich selbst nur lieben darf, wenn ich gewissen Standards entspreche. Mein Glück habe ich von externen und oberflächlichen Faktoren abhängig gemacht, die mich schlussendlich noch unglücklicher machten.

Schon verzwickt die Sache mit der Selbstliebe.
Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich bewusst damit begonnen, mich lieben zu lernen. Rund 1‘460 Tage arbeite ich also schon an dieser Baustelle und obwohl ich schon unglaublich weit gekommen bin, habe ich das Projekt noch nicht abgeschlossen. Werde ich wahrscheinlich auch nie. Völlig verrückt, nicht? Dabei ist es doch ganz einfach: Das einzige was ich tun muss, ist die Erwartungshaltung an mich selbst etwas runterschrauben und im Gegenzug die Wertschätzung des eigenen Ichs fördern. Voilà!

Oke, ich gebe es zu, in der Theorie hört sich einfacher an, als die Umsetzung in Wirklichkeit ist. In den letzten Jahren hab ich Methoden entwickelt und entdeckt, die mich genau bei diesem Vorhaben unterstützen. Da ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, die sich dieser Herausforderung tagtäglich stellt, möchte ich heute meine liebsten Methoden zu einem höheren Selbstwertgefühl, mehr Wertschätzung und Selbstliebe mit euch teilen.

Du musst nicht perfekt sein. Du darfst perfekt unperfekt sein.

Warum hat man gegenüber sich selbst viel höhere Ansprüche als an den Partner, die beste Freundin oder die Familie?
Ein ganz einfaches Beispiel: Ist dein Partner perfekt? So ganz ohne Makel? Ist er der beste, schönste, intelligenteste, vernünftigste Mensch ever? Hat er einen perfekten Körper, wunderschöne Zähne und immer gute Laune? Ohne deinem Partner zu nahe treten zu wollen, aber wahrscheinlich lassen sich die (meisten) Fragen mit einem nein (und einem Schmunzeln) beantworten. Und dennoch liebst du deinen Partner genau so wie er ist – und genau weil er so ist, wie er ist. Habe ich Recht? Natürlich habe ich Recht! Du liebst ihn nicht, weil er perfekt ist. Du liebst ihn, weil er so perfekt unperfekt ist. Weil seine Macken, Ecken und Katen ihn perfekt machen.

Lieben heisst nicht, alles hinzunehmen

Oke, ich gebe es zu, nicht alle Macken, die euer Partner hat, sind süss. Manchmal könnt ihr ihn auf den Mond schiessen oder ihm ein One Way Ticket nach „wo der Pfeffer wächst“ lösen. Wahrscheinlich kennen die Meisten die Situationen mit den offenen Zahnpasta Tuben, den schmutzigen Socken oder den leeren Kaffeetassen. Ja, man kann den Partner lieben und diese Angewohnheiten trotzdem richtig doof finden!

Und genau jetzt kommen wir zu meiner persönlich wichtigsten Erkenntnis der letzten Jahre: Sich zu lieben heisst nicht, dass man alles hinnehmen und stillschweigend akzeptieren muss. Ich darf mich lieben und gleichzeitig meine Persönlichkeitsentwicklung fördern. Ich darf mich lieben und mich gleichzeitig gesund ernähren und Sport treiben, damit ich abnehme. Ich darf mich lieben und gleichzeitig an meinen schlechten Gewohnheiten arbeiten.

Sei nett zu dir

Wenn ihr mit euch selbst ähnlich umgegangen seid, wie ich mit mir knapp 30 Jahre umgegangen bin, dann gibt es einen sehr wichtigen Schritt zu mehr Selbstliebe: Redet und denkt über euch selbst nie schlechter, als ihr über eure beste Freundin sprechen oder reden würdet. Bezeichnest du deine BFF als fett, dumm, unnütz oder nicht liebenswert? Natürlich nicht! Dann richte diese Worte auch nicht an dich selbst.

Vergeben

Ihr kennt das bestimmt: Aus vollkommen unerklärlichen Gründen erwacht man morgens um 4 Uhr und statt sich umzudrehen und wieder einzuschlafen, erinnert man sich an irgendeine Situation aus der Vergangenheit und beginnt zu grübeln. Man grübelt. Und grübelt. Und grübelt. Man hinterfragt sich, warum, was, wie gekommen ist und weshalb man um GOTTES WILLEN nicht so sondern SO reagiert hat. Und wenn uns der Wecker endlich aus den Gedanken reisst, liegt man vollkommen erschöpft, traurig und deprimiert da. Und dabei hat der Tag noch nicht mal richtig begonnen.

Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben, an denen du nichts ändern kannst. Der eine ist gestern und der andere ist morgen.

Dalai Lama

Das einzige was uns nach solch einer Reise in die Vergangenheit bleibt, ist die Negativität. Unsere Vergangenheit ist so wie sie ist. Auch wenn wir alle Handlungen und Situationen noch tausend Mal hinterfragen und immer wieder vor Augen rufen, wird sich nichts an der Tatsache ändern, dass es dennoch genau so abgelaufen ist, wie es eben abgelaufen ist. Darum vergib. Vergib dir und vergib den Menschen, die die traurig gemacht oder verletzt haben. Vergeben heisst nicht aus den Gedanken streichen und vergessen. Vergeben heisst nicht, der anderen Person einen Gefalle zu machen. Vergeben heisst einfach, abzuschliessen und nach vorne zu blicken und sich selbst etwas Gutes tun.

Weil ich es mir wert bin

Wie viele von euch haben Kleidung, Geschirr oder ein Parfüm für besondere Anlässe? Gute Neuigkeiten: Der besondere Anlass ist heute. Und morgen. Und am Tag darauf. Koche ein besonderes Abendessen für dich ganz alleine und decke den Tisch hübsch. Schütte einen sehr grosszügigen Gutsch des guten Badeschaums ins heisse Badewasser. Balsamiere dich mit dem teuren Parfüm ein. Zünde die gute Duftkerze an. Ziehe dir schicke, treure Unterwäsche an. Einfach so, nur für dich. Warum? Na, weil du es dir Wert bist!

Ich trinke jeden Morgen meinen Kaffee aus einer wunderschönen, handbemalten, vergoldeten und vollkommen überteuerten Porzellantasse, die ich liebevoll meine „weil ich es mir Wert bin“ Tasse nenne. Jeden Morgen zelebriere ich meinen Kaffeegenuss aus diesem besonderen Kunstwerk und rufe mir täglich in Erinnerung, dass ich das mache, weil ich es einfach verdiene, mich zu verwöhnen.

Eincremen

Diesen Tipp habe ich von der lieben Anna abgeschaut und finde ihn einfach nur genial. Anna cremt sich nach jedem Duschen sorgfältig ein. Sie klatscht sich die Lotion nicht einfach schnell drauf, sondern streicht sie sanft und behutsam ein und berührt und fühlt ihre Haut bewusst. In anderen Worten, Anna streichelt sich und nährt ihre Haut nebenbei mit Feuchtigkeit. Das ist so einfach, logisch und naheliegend und dennoch war ich mir selbst nie bewusst, wie wichtig diese scheinbar nebensächliche Tätigkeit des Eincremens für das eigene Wohlbefinden ist. Besonders für Menschen wie mich, die ihr Leben lang Schwierigkeiten hatten, ihren Körper zu lieben und akzeptieren, ist das Eincremen sehr hilfreich, um die Selbstliebe zu steigern.

Say it

Sag es! Sag dir täglich, dass du dich liebst und dass du dich schön findest. Ganz am Anfang fühlt man sich richtig doof dabei. Man traut sich kaum, die Worte laut zu sprechen und gleichzeitig seinem Spiegelbild in die Augen zu schauen. Nach einigen Tagen gewöhnt man sich daran, es zu sagen und wenn man etwas geduldig ist, dann kommt das gesagte früher oder später auch im Kopf an. Jeden Tag wird es uns leichter fallen, das gesagte auch zu glauben. Und irgendwann, ja irgendwann lächelt man dabei, strahlt sich an und sagt sich: „Weisst du was? Ich liebe dich. Ich liebe dich, weil du immer an dich glaubst! Und ohne eingebildet zu klingen, aber läck, deine Haare fallen heute ja richtig gut!“.

 

Share: